Ein persönlicher Rückblick auf das Männerwochenende der Emmausgemeinde Soest im Friedrich-Blecher-Haus in Horn-Bad Meinberg
18 Männer aus der Emmausgemeinde Soest haben sich vom 25. bis 27. September 2026 auf den Weg ins Friedrich-Blecher-Haus nach Horn-Bad Meinberg gemacht. Ich durfte dieses Wochenende als Teilnehmer und Leiter miterleben und mitgestalten.
Nachdem wir im vergangenen Jahr unter dem Thema „Gottes Spuren in unserem Leben“ auf unseren bisherigen Lebensweg zurückgeschaut hatten, richteten wir diesmal den Blick nach vorn: „Was erwarten wir noch?“ Diese Frage erwies sich als offen und weit genug, um ganz unterschiedliche Gedanken, Wünsche und Hoffnungen aufzunehmen.
Nach der Anreise, dem gemeinsamen Abendessen und dem Bezug der Zimmer begann unser Wochenende mit einer Einführung in das Thema. Ein Film gab einen ersten Impuls für die Frage, was im Leben noch vor uns liegt und was wir nicht länger aufschieben möchten. Anschließend saßen wir zusammen, kamen miteinander ins Gespräch und ließen den ersten Abend in geselliger Runde ausklingen.
Wie bei unseren Männerwochenenden üblich, gehörten dabei unterschiedliche Elemente zusammen: persönliche Gespräche, gemeinsames Essen, geistliche Impulse, Bewegung, Spiel und Zeit zum ungezwungenen Austausch.
Am Samstag beschäftigten wir uns zunächst mit der Frage: „Wo stehe ich – und was kommt noch?
Im Mittelpunkt stand die persönliche Bucket List. Eine solche Liste sammelt Träume, Wünsche und Ziele, die man im Laufe seines Lebens noch verwirklichen möchte.
Dabei wurde schnell deutlich, dass es nicht nur um spektakuläre Reisen oder außergewöhnliche Abenteuer geht. Auf einer Bucket List können ebenso Wünsche stehen wie:
• mehr Zeit mit der Familie oder mit Freunden zu verbringen,
• eine alte Freundschaft wieder aufzunehmen,
• eine Versöhnung zu wagen,
• sich um die eigene Gesundheit zu kümmern,
• etwas Neues zu lernen,
• ein kreatives oder handwerkliches Projekt zu beginnen,
• eine Pilgerreise oder ein Stille-Retreat zu machen,
• regelmäßig zu beten oder die Bibel neu zu entdecken,
• sich stärker für andere Menschen einzusetzen,
• oder sich verbindlicher in der Gemeinde zu engagieren.
In einer intensiven Einzelarbeit hatte jeder von uns Zeit, die eigenen Gedanken zu sammeln. Unterstützt wurde diese Arbeit durch verschiedene Themenbereiche, die auf Pinnwänden vorbereitet waren. So konnten wir unsere Wünsche sortieren und überlegen, welche Ziele kurzfristig, mittelfristig oder erst später wichtig werden könnten.
Für mich war dabei besonders hilfreich, dass die Bucket List nicht als Pflichtprogramm verstanden wurde. Sie ist keine Liste, die man vollständig abarbeiten muss, und schon gar kein Wettbewerb. Sie soll vielmehr helfen, das Wesentliche nicht aus dem Blick zu verlieren. Manche Wünsche dürfen groß und vielleicht zunächst unrealistisch sein, andere sind ganz einfach und konkret. Wichtig ist, dass sie mit den eigenen Werten, Hoffnungen und Sehnsüchten zu tun haben.
Im Verlauf der Arbeit bekam die Bucket List auch eine spirituelle Dimension. Wir fragten uns, was wir im Glauben noch erwarten und entdecken. Vielleicht geht es um eine intensivere Gebetspraxis, um mehr Stille, um einen neuen Zugang zur Bibel oder um den Mut, Fragen und Zweifel auszusprechen.
Auch die Frage nach dem eigenen Lebensauftrag spielte eine Rolle: „Wozu bin ich da? Was möchte ich weitergeben? Was soll durch mein Leben für andere Menschen erfahrbar werden?“
Dabei wurde deutlich, dass ein erfülltes Leben nicht allein aus persönlichen Erlebnissen besteht. Zum Glauben gehört auch, Verantwortung zu übernehmen und sich für andere einzusetzen. Die eigene Bucket List kann deshalb auch Vorhaben enthalten, die über die persönliche Lebensgestaltung hinausweisen: einem Menschen Zeit schenken, jemanden begleiten, ein Ehrenamt übernehmen oder ein soziales Projekt unterstützen.
Nach der Einzelarbeit tauschten wir uns in Dreiergruppen aus. Diese Gespräche waren ein wichtiger Teil des Wochenendes. In einer vertrauensvollen Atmosphäre konnten wir erzählen, was uns beschäftigt, welche Wünsche uns bewegen und welche Vorhaben wir vielleicht schon lange vor uns herschieben.
Es war bereichernd zu erleben, wie unterschiedlich die persönlichen Listen ausfielen. Gleichzeitig gab es viele Berührungspunkte: Beziehungen, Gesundheit, Glaube, Zeit für andere und die Frage, wie man die verbleibende Lebenszeit sinnvoll gestalten möchte.
Anschließend kamen wir im Plenum zusammen. Nicht alle persönlichen Gedanken mussten öffentlich werden, aber einzelne Eindrücke und Erfahrungen konnten miteinander geteilt werden. So entstand ein lebendiges Bild davon, was Männer in verschiedenen Lebensphasen bewegt und worauf sie noch hoffen.
Besonders wichtig war für mich die Verbindung zwischen den persönlichen Wünschen und unserem Engagement in der Gemeinde. Gemeinde lebt davon, dass Menschen ihre Begabungen, ihre Zeit und ihre Lebenserfahrung einbringen. Manche von uns engagieren sich bereits, andere überlegen, an welcher Stelle sie künftig Verantwortung übernehmen möchten.
Dabei muss es nicht immer um große Aufgaben gehen. Auch die Unterstützung bei einer Veranstaltung, die Mitarbeit in einem Kreis, ein Gespräch mit einem Menschen, der allein ist, oder die Begleitung jüngerer Gemeindeglieder kann ein wichtiger Beitrag sein.
Die Frage „Was erwarten wir noch?“ wurde dadurch auch zu der Frage: Was können andere noch von mir erwarten – und wo möchte ich mich einbringen? Der Blick auf die eigene Zukunft öffnete sich für den Blick auf die Gemeinschaft.
Am Samstagnachmittag waren wir gemeinsam unterwegs. Eine Wanderung, Spiele, Wikinger-Schach, Kaffee und Kuchen boten Gelegenheit, Abstand von der intensiven Arbeit am Vormittag zu gewinnen. Beim anschließenden Gespräch konnten wir noch einmal zurückblicken: Was ist in uns in Bewegung gekommen? Welche Gedanken nehmen wir mit?
Beim Grillen und in der anschließenden geselligen Runde wurde deutlich, wie gut persönliche Gespräche und gemeinsames Lachen zusammenpassen. Das Wochenende lebte nicht nur von den thematischen Einheiten, sondern auch von der Gemeinschaft, die sich in diesen Tagen entwickelt und vertieft hat.
Den Abschluss bildete am Sonntag ein Gottesdienst in besonderer Form. Im Mittelpunkt stand die Frage: „Was will ich angehen oder festmachen?“
Aus einer langen Liste von Wünschen sollte ein konkreter Schritt werden. Was möchte ich nicht länger aufschieben? Welche Beziehung möchte ich pflegen oder neu aufnehmen? Welche geistliche Übung möchte ich beginnen? Wo möchte ich mich in der Gemeinde oder für andere Menschen engagieren?
Diese Frage nahm ich persönlich als Einladung mit: nicht alles auf einmal zu wollen, sondern einen nächsten Schritt zu wagen. Eine Bucket List kann Orientierung geben – aber entscheidend ist, dass aus einem Gedanken auch eine konkrete Handlung wird.
Das Wochenende im Friedrich-Blecher-Haus hat uns als Männergruppe gestärkt. Wir haben zurückgeblickt, nach vorn geschaut, miteinander gelacht und ernsthaft über unser Leben, unseren Glauben und unsere Verantwortung gesprochen.
Ich bin dankbar für die offene Atmosphäre, für die persönlichen Gespräche und für die Erkenntnis, dass Zukunft nicht nur aus dem besteht, was wir noch erleben möchten. Sie besteht auch aus dem, was wir für andere tun, was wir in unserer Gemeinde mitgestalten und worauf wir unser Vertrauen setzen.
So kehrten wir mit neuen Impulsen nach Soest zurück – und mit der Frage im Gepäck, die uns noch eine Weile begleiten wird: "Was will ich angehen oder festmachen?"
Zum Abschluss gab es bereits einen Ausblick auf das nächste Männerwochenende. Es findet vom 26. bis 28. November 2027 statt.
Damit steht schon jetzt ein neuer Termin für gemeinsame Zeit, persönliche Besinnung, geistliche Impulse und gute Gespräche fest. Wir freuen uns darauf, die Gemeinschaft der Männer aus der Emmausgemeinde Soest fortzusetzen und gemeinsam neue Themen, Fragen und Erfahrungen in den Blick zu nehmen.
Herzliche Einladung zum nächsten Männerwochenende vom 26. bis 28. November 2027!
Björn Langert, Diakon
